Joshua Radin – Heimathafen Berlin – 15.03.2017

Joshua Radin, noch nicht gehört? – Ich auch nicht bis einen Tag vor dem Konzert. Ich habe mit einem Freund geskyped, der hat mich gefragt auf welchen Konzerten ich hier in Berlin schon war. Nebenbei schaute er wer so alles in den nächsten Tagen spielt und hat mir eben Joshua Radin vorgeschlagen. Zu meiner Freude hat sich mein neuer Mitbewohner sofort eingeklinkt.

Einen Tag später, um 20.00Uhr, fanden wir uns vor dem Heimathafen in Neukölln in mitten eines Kaffees wieder. Außerdem gibt es dort ein Theater, ein echter Kulturort. An der Abendkasse ergattern wir schnell das Ticket. Im Konzertsaal angekommen war ich zunächst etwas irritiert, es ist bestuhlt. Ich bin also auf meinem ersten Sitzkonzert. Damit habe ich nicht gerechnet, obwohl ich gelesen hatte dass es keine Sitzplatzgaranatie gibt- jetzt weiß ich also auch wieso.

Begonnen haben Lily & Madeleine, zwei Schwestern aus Indiana, die Pop- Folk in die Welt tragen. Ich merkte direkt dass so ein Konzert noch einmal etwas ganz anderes ist. Es geht wirklich rein um die Musik. Der Klang war Klasse, klar zu hörende Stimmen die durch Gitarre und Keyboard untermalt wurden. Man merkt dass der Hauptaugenmerk darauf liegt die Texte zu transportieren.
Jetzt Joshua Radin. Die Bühne war nur sehr spartanisch mit Mikrofon, einem Hocker auf dem ein Glas Whisky stand und seinem zweiten Gitarrist ausgestattet. Nun legte er auch gleis mit unverwechselbarer Stimme los. Direkt während des ersten Song, „No envy no fear“, verabschiedete er sich vom Mikrofon und trug den Rest des Liedes so vor -was für ein Organ. Der Mann braucht eigentlich nicht mehr als sich selbst und eine Gitarre um zu überzeugen. Zwischen den nächsten Liedern erzählte er wie er nach Los Angeles gezogen ist, weil er dachte dass ein neuer Ort alles ändern würde nur um festzustellen dass dem wohl doch nicht so ist. Zu der Zeit schrieb er einen Song, um sein Leben so wunderbar wie möglich zu machen und aus Phasen in denen er nicht so richtig wusste was zu tun heraus zu kommen. Der Name des besagten Titel ist „a beautiful day“, ein Lied um selbst in schwierigen Zeiten ein lächeln auf die Lippen gezaubert zu bekommen. Der Inhalt seiner Musik beinhaltet sehr oft die Verarbeitung seiner Beziehungen, sowohl die schöne Zeit währenddessen als auch die nach einer Trennung. Man kann sagen wenn du gerade selbst eine durchmachen solltest, lass die Finger weg – sehr Emotional. Im laufe des Konzertes forderte er das Publikum auf aufzustehen um etwas die festgewordenen Sitzhöcker  aufzulockern. Dazu gab er unter anderen das Lied „High and Low“ zum besten. Begeistert klatschte und sang die Menge mit. Für eine kurze Zeit fühlte ich mich dadurch auch wieder etwas besser aufgehoben.

Alles in allem kann ich behaupten ein sehr sehr gutes erstes Sitzkonzert mitgenommen zu haben. Um Musik zu hören ist das eine Klasse Sache. Will man aber feiern, tanzen und mitsingen würde ich dir aber einen „normalen“  Konzertbesuch ans Herz legen. Die Priorität hierbei ist ganz klar etwas anders verteilt. Sehr hohe Klang Qualität, Emotion (wobei ich das anderen Konzerten mit Sicherheit nicht absprechen will und kann!) und sehr stilles und aufmerksames Publikum. Zuhören und nicht mitmachen ist in etwa die Devise.

Lily & Madeleine

Joshua Radin

Heimathafen Neukölln