Jam-Session und Down Dirty Dogs – Club Zentral – 20.03.2017

Unlängst hatte mich der Gitarrist der Band „Down Dirty Dogs“ gefragt, ob ich denn nicht Lust hätte mal bei einem ihrer Konzerte vorbei zu schauen, und schickte mir ein paar Tour-Dates. Einer dieser Termine war auch die Jam-Session im Club Zentral, bei der die besagte Band als „Special-Guest“ auftreten sollte.
Da ich eh schon lange mal so einer Jam-Session beiwohnen wollte und mir der Club Zentral als Venue mit sehr guter Licht- und Tontechnik bekannt ist, hab ich mir den Termin gleich mal eingetragen.

Als ich pünktlich am Club Zentral angekommen war, ist noch ziemlich wenig los gewesen. Ich bin aber schon mal rein, um mir von dem Veranstalter Flo den Ablauf einer Jam-Session erklären zu lassen. Kurz gesagt:
Jeder, der ein Instrument spielen oder singen kann, darf (soll!) vorbei kommen. Angefangen wird mit einer Start-Formation und ab da kann dann im fliegenden Wechsel getauscht werden, indem man sich bemerkbar macht, wenn man auf die Bühne möchte.
Kurz (aber nur ganz kurz) hatte ich überlegt, ob ich mich auch als Schlagzeuger anbieten soll, aber just in diesem Moment erklärte mir Flo, dass das Verhältnis von Schlagzeugern zu Gitarristen circa 8:1 ist. Gut, das hat mir vielleicht auch eine größere Blamage erspart, denn wie sich herausstellen sollte war das Niveau, auf dem musiziert wurde, sehr hoch.

Um circa 19:20 ging es dann mit der ersten Formation los. Erstmal ganz gemütlich und unaufgeregt, aber schon mit sichtlich Spaß an der Sache, wurde sich langsam eingegrooved. Als von der Bühne aus der erste Wechsel gefordert wurde gab man sich im Publikum, trotz bereits anwesender Musiker, noch zurückhaltend. Um den noch zu schüchternen Besuchern ein wenig Bedenkzeit zu geben wurde dann in „alter“ Formation nochmal ein Groove angestimmt. Anschließend wurde dann tatsächlich ein bisschen gemischt auf der Bühne. Mit neuem Gitarrist kam direkt eine andere Stimmung in die Improvisationen. Der Rhythmus wird noch immer von Bass und Schlagzeug angegeben, die Melodie macht jetzt die Gitarre.
Da aber der Platz am Schlagzeug doch nur sehr zögerlich gewechselt wurde, brachte Flo während einer kurzen Spielpause folgende Idee ein:
Wenn jemand zum Schlagzeug spielen auf die Bühne will, dann nimmt er das schwarze Rassel-Ei am Keyboard, rasselt eine Weile damit, um gibt dem aktiven Schlagzeuger durch einen beherzten Wurf der Rassel gegen dessen Kopf zu verstehen, dass ein Wechsel bevor steht„.
Tatsächlich klappten die Wechsel anschließend, aber selbstverständlich ohne Wurfgeschosse und Beulen, deutlich geschmeidiger.

Der erste richtige Gänsehautmoment des Abends kam, als der erste Sänger auf die Bühne kam. Mit seiner unglaublich souligen Stimme improvisierte er auf die Musik der Rhythmusgruppe. Kurze Zeit später gesellte sich eine Sängerin dazu, die zuerst im Background des Sängers sang, dann aber ziemlich schnell ein unschlagbares Duett mit ihm zusammen ablieferte.

Es folgten noch einige Wechsel mit teilweise kurzen Unterbrechungen. Diese wurden aber stets genutzt, um entweder Werbung in eigener Sache zu machen, Gedichte von Hermann Hesse vorzutragen, oder die spontan frei erfundenen Bandnamen der neuen Formationen anzukündigen.
Nachdem dann also die „Hitmakers“ ihren letzten Hit gespielt und „The Funky Tribute“ dem Funk gebührend Tribut gezollt hatten, wurde die Bühne frei für die „Down Dirty Dogs“ (die dieses mal tatsächlich so heißen).

Es war anscheinend das erste mal, dass eine komplette Band als Zusatz-Act bei einer Jam-Session im Club Zentral auf der Bühne steht. Ich dachte auch erst, dass das vielleicht die Stimmung negativ beeinträchtigen könnte, was sich aber absolut nicht bestätigte. Musikalisch passten sie mit reinstem Rock ’n Roll perfekt in das vorherrschende Ambiente und überzeugten vor allem mit einer technisch herausragenden Performance. Die Songs, die meines Wissens nach hauptsächlich aus Covern der Band „Vintage Trouble“ bestanden, wurden sehr leidenschaftlich interpretiert und dargeboten, was beim Publikum merklich Eindruck hinterlassen hat. Auch ein eingebauter Mitsing-Part wurde gut angenommen und das Publikum honorierte den circa 25-minütigen Auftritt mit viel Beifall.

Anschließend übernahmen die „Jammer“ wieder die Bühne, für mich wurde es aber Zeit aufzubrechen, da ein langer Tag inkl. Prüfung an der Uni hinter mir lag und mir das Wulle im Club dann doch sehr schnell in den Kopf gestiegen ist (whoops).

Mein Fazit:
Ich bin sehr positiv überrascht, wie viele und gute Musiker an einem Montagabend so viel Spaß bei einer Jam-Session zusammen haben können. Am meisten Respekt gebührt den Sängerinnen und Sänger des Abends, die wirklich erstaunliche Improvisationen zustande gebracht haben. Auch als reiner Zuhörer hatte man nicht zu wenig Gänsehautmomente und innerliche „Wow“-Anfälle. Es wird auf jeden Fall nicht meine letzte Jam-Session gewesen sein und vielleicht trau ich mich ja auch mal meine Sticks mitzunehmen 🙂

 

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